Bei vielen ist dieses Bauwerk unter dem Namen Fuchsbau bekannt, welcher heute in keiner Weise mehr zutreffend ist. Im Verlauf der Jahre wurde der Zugang mehrfach verändert.
Luftschutzstollen Pi 21 (Fuchsbau)
Der Luftschutzstollen mit der Listennummer Pi 21 befindet sich im Naherholungsgebiet Kräherwald, einem edüllischen Wald im Stadtbezirk Stuttgart-West. Dieser Luftschutzstollen zählt zu den zivilen Luftschutzanlagen, die während des Zweiten Weltkriegs zum Schutz bei Luftangriffen für die Bevölkerung errichtet wurden. Der Bau solcher Schutzstollen wurde insbesondere dort ausgeführt, wo es die topografische Lage zuließ. Der Stollen liegt hangseitig unter der Straße Am Kräherwald, wie das folgende Luftbild mit eingefügtem Stollenplan zeigt.
Premium-Inhalt (Drohnenaufnahme mit Stollenplan) für Abonnenten. Melde dich an oder informiere dich hier.
Entgegen häufiger Darstellungen verfügte die Anlage über drei Zugänge. Oft werden fälschlich lediglich zwei Zugänge am Hang des Kräherwalds genannt. Ein weiterer dritter Eingang sollte über einen Treppenabgang von der Straße „Am Kräherwald“ direkt in die Stollenanlage führen. Dieser Zugang befand sich in unmittelbarer Nähe zur heutigen Bushaltestelle Geibelstraße.
Nach Kriegsende
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beide Zugänge im Kräherwald gesprengt. Hierzu kamen wahrscheinlich Munitionsreste und Blindgänger zum Einsatz, die in die Eingangsbereiche verbracht und dort zur Detonation gebracht wurden. Der Zugang von der Straße „Am Kräherwald“ wurde dabei vollständig abgetragen und anschließend verfüllt.
Im Jahr 2004 begannen Hobbyforscher damit, den östlichen Eingang im Wald wieder freizulegen. Dabei traten nicht nur die stark beschädigte Decke und zahlreiche Sprengtrümmer zutage, sondern auch der Heckflügel einer Bombe, die vermutlich bei der Sprengung des Zugangs verwendet worden war.
Diese Grabungsaktion trug maßgeblich zur heutigen Namensgebung der Anlage bei, die seither auch überregional als „Fuchsbau“ bekannt ist. Im Park entstand ein kleines Loch, durch das man in den Stollen gelangen konnte – eher ein Hineinrutschen als ein regulärer Zugang. Im Inneren der ehemaligen Luftschutzanlage lag über viele Jahre hinweg ein Fuchsschädel, der vermutlich ebenfalls zur Etablierung des Namens beitrug.
Währenddessen hat sich am westlich gelegenen Zugang im Wald nichts getan. Dort liegen bis heute die Betonbrocken der Sprengung im Unterholz, dahinter die Einbruchspinge des Luftschutzstollens.
Im Wandel der Zeit
Die Stollenanlage gewann seit ihrer Öffnung zunehmend an Bekanntheit. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt sie durch einen dort platzierten Geocache, der weiteres Publikum anzog. In der Folge sahen sich die zuständigen Behörden Ende 2022 beziehungsweise Anfang 2023 veranlasst, Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen.
Hierfür wurde der Bereich vor dem bislang genutzten Zugang abgegraben und der Beton des Zugangsstollens freigelegt. Anschließend sicherte man den Hang mit Beton und errichtete ein neues Zugangsbauwerk mit einer Gittertür. Ergänzend wurde eine Absturzsicherung installiert, um ein unbeabsichtigtes Herabstürzen zu verhindern.
Die neue Tür hielt der Neugier einzelner Besucher jedoch nicht stand. Bereits Ende März 2023 wurde sie gewaltsam geöffnet. In der Folge blieb im Inneren der Anlage kaum eine Wand von Graffiti verschont.
Doch nicht nur der eigentliche Zugang wurde im Zuge der Sicherungsmaßnahmen verändert. Auch ein Teil des ehemaligen Zugangsbereichs an der Straße wurde mit Flüssigbeton verfüllt. Auf meinen Aufnahmen aus dem Jahr 2015 ist dieser Raum noch offen zu sehen; zudem sind dort deutlich die Geröllmassen erkennbar, die als Verfüllmaterial aus der Nachkriegszeit stammen.
Der Türrahmen dieses Bereichs wurde abgedämmt, um anschließend flüssigen Beton hinter die bestehende Mauer einzubringen und den Hohlraum vollständig zu verfüllen. Entweder gab es bereits Setzungen an der Oberfläche oder man rechnete in der Zukunft mit diesen.
Zum Abschluss dieses Kapitels folgt ein weiteres Bild aus dem Jahr 2015. Es zeigt den Bereich, in dem die Treppe von der Straße hinabführen sollte. Leider habe ich zu diesem Zeitpunkt kein Foto aus dem Inneren aufgenommen, und im Jahr 2025 war es mir nicht mehr möglich, dies nachzuholen. Sichtbar ist lediglich eine schräge Fläche, auf der Geröll liegt. Ob sich darunter noch Stufen befinden, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Auch kann nicht belegt werden, wie weit die Arbeiten in diesem Bereich fortgeschritten waren.
Fest steht jedoch, dass die Wände zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Beton ausgebaut waren und der rote Sandstein deutlich erkennbar war. Das Geröll dürfte im Zuge der Verfüllung des Zugangs, von oben in diesen Bereich gelangt sein.
Wenn einer meiner Leser hierzu mehr weiß oder gar Bilder vom Inneren dieses Raums hat, kann er sich gern melden und bei der Aufklärung mitwirken.
Eckdaten
Die gesamte aufgefahrene Strecke dieses Luftschutzstollens beträgt in etwa 278,35 Meter. Der Ausbau erfolgte mittels Stampfbeton auf der gesamten Strecke, lediglich der Bau beziehungsweise der Ausbau des Treppenaufgangs zur Straße war noch nicht abgeschlossen.
Die lichte Breite des Stollens beträgt durchgehend rund 2,00 Meter, die Höhe liegt im Mittel bei etwa 2,35 Metern. An der Gewölbedecke sind stellenweise noch Reste der ursprünglichen Elektroinstallation erhalten, darunter Isolatoren und Leitungsabschnitte.
Im Bereich der westlichen Schleuse findet sich zudem noch eine Trockentoilette, die sicherlich viele als normales Rohr gehalten haben.
3D Modell und Grundriss
Premium-Inhalt (interaktives 3D-Modell zum Selbsterkunden der Räumlichkeiten und Grundrissplan) für Abonnenten. Melde dich an oder informiere dich hier.
Vorher- und Nachherbilder
Im Folgenden einige Aufnahmen aus dem Jahr 2015 mit ihrem Pendant aus dem Jahr 2025. Ich habe versucht, die Bilder möglichst aus der gleichen Perspektive aufzunehmen. So lassen sich die Veränderungen über die Zeit unmittelbar miteinander vergleichen.
Fazit
Durch den Verschluss des Luftschutzstollens Fuchsbau geht sicherlich für viele Menschen ein Ort verloren, an dem sie die ersten untertägigen Erfahrungen gemacht haben. Für mich war es eine der ersten Schutzanlagen im Stadtgebiet Stuttgart. In Anbetracht der massiven Sprühereien, die zu einem großen Teil wirklich nicht viel mehr sind, muss die Anlage nicht mehr als Toyspielplatz für Möchtegern-Writer herhalten.
- Veröffentlicht am 14. Dezember 2015
- Erstellt von Trümmer Lümmler
- Zuletzt aktualisiert am 2. Februar 2026
- 4 Kommentare





Als wir diesen Stollen freigelegt haben, steckte noch das Heckleitwerk einer Fliegerbombe, die wohl aus der Sprengung des Eingangsbauwerkes stammt, im Trümmerschutt! Achtung der Stollen hat stellenweise „Schlechte Luft“ !
Bei unserem Besuch war die Luft messbar gut. Das ist aber schon eine ganze Weile her. In den vergangenen Jahren stand der Stollen unkontrolliert offen und wurde ziemlich zugesprüht. Durch einen Geocache hatte er sehr viele Besucher. Am Eingangsbauwerk sieht man deutlich, dass dieses gesprengt wurde. Die Beschädigungen an der Decke sind wirklich enorm. Interessant, dass scheinbar auch hier Altmunition zur Sprengung genutzt wurde. Danke für dein Zutun bei diesem Beitrag.
Hallöchen, herzlich Dank für die Antwort! Die Sprüherei ist wirklich verheerend! Die Sprengung des Eingangsbauwerkes war sehr dilettantisch, wie seinerzeit üblich! Überall wurde tatsächlich Fund und Restmunition gearbeitet! In Stuttgart gibt es ja genügend Beispiele dieser „Arbeit“ Westbahnhof hinter dem Baumarkt z.B Flakstellungen am Birkenkopf!
Ähnlich wurde ebenfalls bei der Neckar-Enz-Stellung verfahren, auch hier wurde mit Restmuniton etc gesprengt.