Was sind Luftschutzstollen?
Ein Luftschutzstollen ist eine unterirdische Anlage, die Menschen während eines Luftangriffs Schutz bieten sollte. Ihre Schutzräume liegen in Stollengängen unter der Erde oder im Gestein eines Hanges. Je nach Gelände unterscheidet man Hangstollen und Tiefstollen. Luftschutzstollen werden auch als Stollenbunker bezeichnet.
Wozu dienten Luftschutzstollen?
Luftschutzstollen sollten im Krieg Leib und Leben schützen. Anwohner oder Werksangestellte konnten sich während der Luftangriffe in den unterirdischen Anlagen in Sicherheit bringen. Oft mussten arbeitsfähige Anwohner beim Bau mithelfen. Dadurch bestand teilweise die Möglichkeit, sich selbst oder der eigenen Familie einen der begehrten Schutzplätze zu sichern.
Für zugewiesene Schutzplätze konnten Schutzplatzkarten ausgegeben werden. Bei Luftalarm suchten die Menschen damit den für sie vorgesehenen Stollen auf. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden solche Schutzmöglichkeiten immer wichtiger, da alliierte Bomberverbände ihre Angriffe auf deutsche Städte und Industrieanlagen intensivierten.
Wie wurden Luftschutzstollen gebaut?
Die beiden grundlegenden Bauarten sind Hangstollen und Tiefstollen. Entscheidend für diese Unterscheidung ist die Lage der unterirdischen Gänge im Gelände.
Hangstollen: Zugang vom Hang aus
Hangstollen wurden waagerecht in einen Hang oder Berg vorgetrieben. Das darüberliegende Erdreich oder Gestein bildete die schützende Überdeckung. Die Stollensohle konnte leicht zum Eingang hin geneigt angelegt werden, damit eindringendes Wasser nach außen abfließen konnte.
Gegenüber einem Tiefstollen war der Bau häufig weniger aufwendig. Das beim Vortrieb anfallende Material konnte beispielsweise mit Loren direkt über den Zugang aus dem Stollen gefördert werden.
Tiefstollen: Schutzräume unter ebenem Gelände
Tiefstollen wurden unterhalb der Erdoberfläche angelegt. Da die eigentlichen Schutzstollen tiefer im Untergrund lagen, waren zusätzliche Zugänge wie Treppenschächte erforderlich.
Dadurch war der Bau aufwendiger als bei einem Hangstollen. Auch Wasser musste aus der tiefer liegenden Anlage abgeführt oder zurück an die Oberfläche geleitet werden. Der zusätzliche Schachtbau und die Wasserhaltung erhöhten den Arbeitsaufwand erheblich.
Wie wurden Luftschutzstollen gegen Druckwellen und Splitter geschützt?
Luftschutzstollen wurden mit bergbaulichen Techniken vorgetrieben und anschließend je nach Untergrund und geplanter Nutzung gesichert und ausgebaut.
Besonders wichtig war der Eingangsbereich. Er sollte verhindern, dass Druckwellen und Splitter direkt in den Schutzstollen eindringen konnten. Deshalb wurden Zugänge häufig abgewinkelt oder durch zusätzliche Mauern und Schleusen unterteilt. Die Verwinkelungen sollten die Wirkung einer Explosion abschwächen und herumfliegende Trümmer und Splitter zurückhalten. Je nach Anlage kamen außerdem Schutztüren und unterschiedliche Ausbauformen zum Einsatz.
Welche Anforderungen galten für Luftschutzstollen?
Für den Bau von Luftschutzstollen gab es genaue Vorgaben. Die „Bestimmungen für den Bau von LS.-Stollenanlagen“ in der Fassung von Juli 1943 regelten unter anderem die Größe der Schutzräume, die Zugänge, die notwendige Überdeckung sowie Belüftung, Entwässerung und technische Ausstattung.
- Aufenthaltsstollen sollten mindestens 1,65 m lichte Breite aufweisen. Bei zwei Bettreihen waren mindestens 2,30 m vorgesehen. Die nutzbare lichte Höhe musste mindestens 2,30 m betragen.
- Eine Luftschutzstollenanlage sollte möglichst drei oder mehr Zugänge, mindestens jedoch zwei Zugänge besitzen.
- Die Zugänge mussten grundsätzlich mindestens dreimal rechtwinklig geknickt sein. Auf diese Verwinkelung konnte verzichtet werden, wenn ein gleichwertiger Schutz durch entsprechend ausgeführte Betonkonstruktionen vorhanden war.
- Die vorgeschriebene Überdeckung richtete sich nach dem Untergrund. Sie betrug mindestens 6 m bei gesundem Fels, 9 m bei brüchigem Fels, 12 m bei Kies, Sand oder vergleichbaren Böden und bis zu 15 m bei ungünstigeren Bodenarten.
- Für die Entwässerung sollten die Stollen mit einem Gefälle von etwa 1:100 angelegt werden.
- Treppen sollten auf beiden Seiten mit Handläufen ausgestattet sein. Zwischen zwei Podesten waren höchstens 17 Stufen vorgesehen.
- Bei Tiefstollen mussten im Freien liegende Eingänge mindestens 0,50 m über dem Geländeniveau liegen, damit kein Oberflächenwasser in die Anlage eindringen konnte.
Diese Vorgaben beschreiben den vorgesehenen Regelstandard. Im weiteren Kriegsverlauf konnten Luftschutzstollen jedoch auch in vereinfachter Ausführung gebaut werden, wenn beispielsweise geeignete Arbeitskräfte, Baustoffe oder ausreichend Zeit fehlten. Für diese Anlagen waren Erleichterungen bei Zugängen, technischen Einrichtungen und Ausstattung ausdrücklich vorgesehen.
Die Bestimmungen von 1943 beschreiben den vorgesehenen Regelstandard. In der Praxis konnten Luftschutzstollen je nach Bauzeit, Untergrund, Materiallage und örtlichen Gegebenheiten deutlich davon abweichen. Gerade Anlagen aus der späteren Kriegsphase wurden häufig nur vereinfacht oder unvollständig ausgeführt.
Warum sind viele Luftschutzstollen nicht vollständig ausgebaut?
Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden immer mehr Luftschutzstollen vorgetrieben. Besonders in der späteren Kriegsphase fehlten jedoch häufig Zeit, geeignete Arbeitskräfte und Baumaterialien für einen vollständigen Ausbau.
Deshalb sind bis heute zahlreiche Anlagen erhalten, die nur teilweise fertiggestellt wurden. Manche Stollen besitzen vollständig ausgebaute Bereiche, während andere Abschnitte noch den Charakter eines Rohbaus zeigen. Teilweise liegen sogar noch Baumaterialien oder vorbereitete Bauteile in den Stollen, die nicht mehr eingebaut wurden.
Der Ausbauzustand kann deshalb Hinweise darauf geben, in welcher Bauphase sich eine Anlage zum Kriegsende befand. Gerade unvollendete Bereiche machen sichtbar, unter welchem Zeit- und Materialdruck viele Luftschutzstollen entstanden.
Historisch passt dazu auch, dass die Bestimmungen von 1943 ausdrücklich eine vereinfachte Ausführung zuließen, wenn es an Arbeitskräften, Baustoffen oder Zeit mangelte.
Wer baute die Luftschutzstollen?
Luftschutzstollen wurden nicht ausschließlich von ausgebildeten Bergleuten gebaut. Je nach Anlage kamen auch Angehörige der Zivilbevölkerung zum Einsatz. In manchen Fällen mussten arbeitsfähige Anwohner beim Bau mithelfen, um den Schutzraum möglichst schnell fertigzustellen.
Daneben wurden beim Bau von Luftschutzanlagen auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt. Gerade in den späteren Kriegsjahren nahm der Zeitdruck stark zu, während gleichzeitig Arbeitskräfte und Baumaterial knapper wurden.
Dieser Mangel ist heute noch an vielen Anlagen erkennbar. Unvollendete Stollen, provisorische Ausbauten und nicht verbaute Baumaterialien zeigen, unter welchen Bedingungen zahlreiche Luftschutzstollen entstanden.
Was unterscheidet einen Luftschutzstollen von einem Bunker?
Ein Luftschutzstollen liegt unter der Erde oder im Gestein und besteht aus Stollengängen, die in den Untergrund vorgetrieben wurden. Ein Bunker ist dagegen ein oberirdisches oder teilversenktes Schutzbauwerk aus massivem Beton.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Begriffe oft vermischt. Historisch und baulich ist die Unterscheidung aber sinnvoll, weil Bauweise, Lage und Nutzung voneinander abweichen.
Luftschutzstollen im Zweiten Weltkrieg
Hinter den erhaltenen Gängen steht die Geschichte der Menschen, die dort Schutz suchten – und der Menschen, die sie bauen mussten. An einzelnen Anlagen lässt sich auch der Einsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeit nachvollziehen.
Der Luftschutzstollen Blau-Schwarz wurde im Zweiten Weltkrieg zum Schutz der Zivilbevölkerung errichtet. Meine Dokumentation zeigt seine Gänge und Schutzräume sowie den erhaltenen baulichen Zustand. Anders als die später umgebaute Anlage unter dem Freiburger Schlossberg erfuhr dieser Stollen im Kalten Krieg keine Umbauten.
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Was bedeutet Stollenbunker?
Stollenbunker ist eine weitere Bezeichnung für einen Luftschutzstollen. Gemeint ist ein Schutzbau mit unterirdischen Stollengängen.
Wie tief liegt ein Luftschutzstollen?
Eine einheitliche Tiefe gibt es nicht. Entscheidend sind unter anderem Bauart, Gelände und Untergrund. Bei einem Hangstollen ist vor allem die Überdeckung der Gänge relevant. Historische Maßangaben müssen immer zusammen mit der jeweiligen Vorschrift und Anlage betrachtet werden.
Kann man Luftschutzstollen besichtigen?
Ja, einige Luftschutzstollen sind im Rahmen von Führungen zugänglich. Wenn du selbst historische Schutzanlagen entdecken möchtest, findest du auf meiner Karte mit Museumsbunkern, Besucherbergwerken und Schauhöhlen Anregungen für deinen nächsten Ausflug. Die Übersicht bietet Adressen, Links zu den Betreibern und eine Routenplanung.
