Der Bergwerksbetrieb begann im Jahr 1885 und wurde 1971 endgültig eingestellt. Gefördert wurden zunächst vor allem Manganerze, später überwiegend Dolomit. Insgesamt wurden bis zur Stilllegung rund 5,5 Millionen Tonnen Manganerz und etwa 2,6 Millionen Tonnen Dolomit gewonnen. Die größte erreichte Teufe der Grube betrug rund 267 Meter.
In ihrer Hochphase beschäftigte die Grube über 1000 Arbeiter im Jahr 1917, während kurz vor der Schließung nur noch gut 200 Beschäftigte tätig waren. Zur technischen Infrastruktur gehörten unter anderem eine 7,6 Kilometer lange Seilbahn zur Verladestation sowie der ab 1914 aufgefahrene Rheinstollen, der der Wasserlösung und Förderung diente.
Besonders bemerkenswert sind die repräsentativen Tagesanlagen, die zwischen 1916 und 1920 nach Plänen des Architekturbüros Markwort & Seibert aus Darmstadt errichtet wurden. Die streng symmetrische, neobarocke Gestaltung mit Ehrenhof-Charakter hebt die Grube deutlich von anderen Industrieanlagen ihrer Zeit ab. Aufgrund ihrer geschichtlichen, technischen und architektonischen Bedeutung sind die erhaltenen Grubengebäude seit 2002 Teil des UNESCO-Welterbes. Heute werden Teile der Anlage privat genutzt, andere Gebäude befinden sich im Zustand des Verfalls.
Die erste Befahrung
Die Befahrung fand bereits im Jahr 2014 statt, also kein Grund für Fledermausschützer sich ins Auto zu setzen und zu schauen, ob die Steine noch an Ort und Stelle stehen. Zum Zeitpunkt der Befahrung hatten wir noch kein Multigasmessgerät, sondern eines dieser kleinen Wergwerf-Einzelgasmessgeräte. Aber auch diese erfüllten ihren Zweck, waren aber weder für Umwelt noch Geldbeutel nachhaltig. Bei starken Minusgraden hatten wir glücklicherweise keinerlei Probleme mit CO2, worauf ich aber später noch einmal zurückkommen werde.
Bereits der Wasserlösestollen mit seinen 3,3 Kilometern Länge glich einem kleinen untertägigen Marathon, welcher von abwechslungsreichen Fotomotiven begleitet wurde. Heute bin ich froh, diese gleich abgelichtet zu haben, denn auf dem Rückweg hätte die Reizüberflutung und Kraftlosigkeit dies sicherlich verhindert.
Die Violettsohle
Über den ehemaligen Förderstollen und den noch heute genutzten Wasserlösestollen gelangten wir auf die Violettsohle, die in einer Teufe von 267 Metern liegt und damit den tiefsten Punkt der Grube darstellt. Über diese Sohle wurde auch das Dolomit aus dem Abbau oberhalb der Blausohle zum Förderschacht transportiert. Das abgebaute Dolomit kippte man in den Vorbrecher zwischen Blau- und Violettsohle, wo es vorgebrochen und anschließend zur Weiterverarbeitung mittels Gefäßförderung im Förderschacht zutage gefördert wurde. Dort durchlief der Rohdolomit den Nachbrecher, den Drehrohrofen sowie die Brech- und Siebanlage für Sinterdolomit, gelangte in den Sinterdolomitbunker und wurde schließlich wieder über den Schacht auf die Violettsohle verbracht. Von dort ging es durch den Rheinstollen weiter zur Verladestation der Bundesbahn für Sinterdolomit und Farberz.
Die Blausohle
Für uns ging es jedoch nicht in Richtung Verladung, sondern über die Fahrung am Förderschacht hinauf zur Blausohle. Hier begann für uns die Reizüberflutung: Zwar hatten wir zu dieser Zeit bereits einige Gruben gesehen, aber keine wie diese. Diverse Grubenloks standen nicht nur in den Stollen, sondern auch in der Lokwerkstatt. Die großen Fahrdrahtloks der Firma AEG standen hier, völlig verrostet, hintereinander im Raum.
Oberhalb des Vorbrechers an der Entladestation standen die Förderwagen in einer Reihe. Darunter befand sich die riesige Halle des Vorbrechers für Rohdolomit. Dieser brach das Gestein auf eine maximale Kantenlänge von 15 Zentimetern. Im Anschluss an den Brecherauslauf lag ein Hohlraum mit einem Fassungsvermögen von 1.000 Tonnen, der als Puffer zwischen der Strecken- und Schachtförderung diente. Zwar war der monströse Brecher aus Stahl mit seinen dicken Staubabsaugrohren bereits demontiert, doch seine schiere Größe war noch immer spürbar.
Wir erkundeten die Blausohle in jedem Winkel und entdeckten lange Lorenzüge, riesige Förderwagen, Betriebsräume, Schächte und schließlich eine Strecke, die scheinbar in die Unendlichkeit führte. Rechts am Stoß hatten andere Befahrer einen Totenkopf mit der Warnung „CO₂“ gezeichnet. Unser Gasmessgerät zeigte jedoch einen unbedenklichen CO₂-Wert von 0,55 % an, also gingen wir weiter in Richtung Abbau. Nach nur wenigen Metern waren keine Fußspuren mehr am Boden erkennbar. Wir waren seit Langem die Einzigen auf dieser Strecke. Der Boden war trocken und sehr weich, ähnlich einem Sandweg im Wald.
Wir liefen durch Stahlsegmentausbauten mit hölzernem Verzug, aus dem eine Art Kristalle wuchs, die an lange, glitzernde Glasnadeln erinnerten. Nadelkissen aus Glasnadeln, so weit das Auge reichte – der Boden glitzerte und wurde immer weicher. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um Epsomit oder Anhydrit. Die Luft war warm und trocken, und der hölzerne Verzug zwischen den rostigen Stahlsegmenten schluckte den Schall.
Schließlich kamen wir zu einem massiven Verbruch aus gelb-sandigem Material, das von oben durch den Ausbau eingebrochen war. In der oberen rechten Ecke bestand die Möglichkeit, hinter den Verbruch zu schauen. Die Strecke setzte sich dahinter fort. Zur Sicherheit befestigten wir das Gasmessgerät an einem Seil und warfen es auf die andere Seite. Sofort ertönte der schrille Alarm, kurz darauf ging das Gerät in den Error-Modus. Die Kohlendioxidkonzentration auf der anderen Seite überstieg den Messbereich des Geräts.
Zurück auf unserer Seite konnten wir das Gerät neu starten und beobachten, wie CO₂ über den Verbruch hinwegströmte. An dieser Stelle war die Erkundung in Richtung der Abbaue für uns beendet. Es war bereits 5:45 Uhr, und wir machten uns auf den Rückweg in Richtung Hauptschacht.
Wieder auf der Violettsohle angekommen, liefen wir den Rheinstollen bis zum Mundloch vor. Erneut kamen wir an den Grubenloks und Loren vorbei, die im Wasser zurückgelassen worden waren. Völlig übermüdet schleppten wir uns durch den Stollen in Richtung Frischluft. Als wir ausfuhren, war es bereits hell. Brotfern, aber glücklich über diese gelungene Befahrung, machten wir uns auf den Heimweg, der weitere 2,5 Stunden dauern sollte.
Tückische Wetter und seine Gefahren
Ich möchte noch ein paar Worte zu den Wettern der Grube sagen. Viele nehmen Grubengase auf die leichte Schulter, und in manchen Gruben kann dieses Thema auch durchaus vernachlässigt werden. In dieser Grube jedoch können die Wetter rasch umschlagen, und enorme Mengen an CO₂ ziehen dann durch die Stollen und Schächte.
Ich habe selbst erlebt, wie innerhalb von nur 45 Minuten die Werte von 0,5 % auf fast 3 % anstiegen und wir regelrecht die Flucht ergreifen mussten. Fast zeitgleich lösten unsere Gasmessgeräte den A1-Alarm bei 1,5 % aus. Ab diesem Moment konnten wir zusehen, wie der CO₂-Gehalt der Luft weiter anstieg. Entgegen der Wettervorhersage schlug draußen das Wetter um und in der Grube drehte sich der Wetterzug. Das CO₂ kam aus dem Abbau und zog nun mit uns in Richtung Rheinstollen.
Anbei ein Bild, welches ich außen am Mundloch aufgenommen habe. Es zeigt den CO₂-Gehalt der ausziehenden Grubenluft.
Fazit
Diese Befahrung hat eindrucksvoll gezeigt, wie faszinierend, aber auch wie gefährlich stillgelegte Gruben sein können. Technik, Dimensionen und Spuren des früheren Betriebs beeindrucken noch heute, doch insbesondere die unberechenbaren Wetter machen deutlich, dass hier jederzeit ernsthafte Gefahr bestehen kann. Eine solche Grube verzeiht keine Nachlässigkeit – Respekt, Erfahrung und konsequente Sicherheitsmaßnahmen sind zwingend notwendig.
- Veröffentlicht am 8. Februar 2026
- Erstellt von Trümmer Lümmler
- Zuletzt aktualisiert am 12. Februar 2026
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