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Gefahren und Verhalten im Altbergbau

Ich werde immer wieder gefragt, ob es unter Tage gefährlich ist. Diese Frage muss ich ganz klar mit JA beantworten. Vorsicht Lebensgefahr! Es lauern unter Tage die verschiedensten Gefahren. Einige ganz offensichtlich von der Firste hängend, andere kriechen lautlos durch die Strecken.

Inhaltsverzeichnis
Gefahrenquellen

Typische Risiken im Altbergbau

Sargdeckel und lose Gesteine

Die Ersten werden sich jetzt vermutlich fragen, was Sargdeckel sind und wie diese ins Bergwerk kommen. Als Sargdeckel bezeichnet man lose Gesteinsplatten oder Brocken, die an der Firste (Decke) hängen und jederzeit herunterfallen können. Dabei kann es sich um kleinere Schollen handeln, aber auch um Gesteinsbrocken von der Größe eines Kleinbusses.

Zur groben Veranschaulichung: Ein Muschelkalkblock mit einem Volumen von 1 m³ (1 × 1 × 1 m) wiegt bereits etwa 2,7 Tonnen. Das entspricht ungefähr dem Gewicht von zwei normalen Pkw. Ich glaube, damit wird schnell klar, weshalb diese Brocken als Sargdeckel bezeichnet werden.

Im aktiven Bergbau wird die Firste regelmäßig kontrolliert und loses Gestein abgestoßen. Bei kleinen Querschnitten kann dies per Hand erfolgen, bei größeren Querschnitten kommen entsprechende Maschinen zum Einsatz. Hier ist beispielsweise eine Maschine zum Berauben der Firste in der Gipsgrube Obrigheim zu sehen.

Früher gab es auch Bühnen, die im Aufbau einer Rollrüstung ähnelten. Von diesen Bühnen aus löste ein Bergmann mit einer Eisenstange lose Gesteinsbrocken von der Firste. So konnte die Gefahr durch herabfallendes Gestein deutlich reduziert werden.

Allerdings brechen Gesteinsbrocken nicht nur aus der Firste. Auch aus den Stößen (Seitenwänden) kann sich jederzeit Gestein lösen und in den Stollen brechen.

Gefahr: herabfallendes Gestein

Helmpflicht

Ein gut sitzender und bequemer Helm muss auf jeder Tour mitgeführt werden – und zwar nicht am oder im Rucksack, sondern auf dem Kopf. Er schützt euch vor leichten, aber auch schwereren Kopfverletzungen. Gleichzeitig lässt sich daran das Geleucht befestigen, sodass beide Hände frei bleiben.

Es kommt immer wieder vor, dass man sich zunächst durch Bereiche mit großen Querschnitten bewegt. Ganz unvermittelt kann sich der Querschnitt verengen, während der Blick gerade auf die Sohle gerichtet ist. Dann ist schnell passiert, dass man mit dem Kopf gegen die Firste schlägt. Mit Helm rumpelt es zwar kurz und die Mitbefahrer haben vielleicht etwas zu lachen, aber in der Regel bleibt es ohne größere Folgen.

Ohne Helm kann aus einer solchen Situation dagegen schnell etwas Ernstes werden. Solltet ihr euch schwer verletzen und das Bewusstsein verlieren, wird es kaum jemand schaffen, euch einfach hinauszutragen. Bereits auf ebener Strecke wären dafür mehrere Personen nötig. Liegt auf dem Rückweg zusätzlich noch eine Fahrt, werden die Möglichkeiten schnell sehr eingeschränkt.

Oft kommt auch die Frage auf, mit wie vielen Personen man sich unter Tage bewegen sollte. Ich persönlich halte vier Personen für ideal. So lassen sich bei Bedarf zwei kleine Gruppen bilden, wenn man sich einmal etwas zu sehr auf die Pelle rückt. Sollte jemandem etwas passieren, können zwei Personen Hilfe holen, während die vierte Person bei dem Verletzten bleibt.

Gefahr: Kopfverletzungen

Wo bin ich?

Hinterlasst vor jeder Befahrung bei einer Vertrauensperson eine Alarmzeit und genaue Angaben zu eurem Aufenthaltsort. Schickt ihr möglichst den Standort und teilt mit, bis wann ihr euch spätestens wieder meldet. Erklärt der Person außerdem genau, welche Schritte sie einleiten soll, falls ihr euch bis zur vereinbarten Zeit nicht zurückgemeldet habt.

Setzt die Alarmzeit so, dass sie realistisch eingehalten werden kann, und plant am besten noch einen kleinen Puffer ein. Sollte absehbar sein, dass die Befahrung länger dauert, verlasst die Grube rechtzeitig und meldet euch vor Ablauf der Frist bei eurer Vertrauensperson.

Sie ist im Ernstfall diejenige Person, die bemerkt, dass etwas nicht stimmt und gegebenenfalls einen Rettungseinsatz auslösen muss.

Gefahr: unbekannter Aufenthaltsort

Absturzgefahr

Schächte sind wichtige Verbindungen zwischen den einzelnen Sohlen oder nach über Tage. Dabei kann es sich beispielsweise um Förderschächte, Blindschächte oder Wetterschächte handeln. Doch alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind oft ziemlich tief!

Häufig wurden diese Schächte nach der Stilllegung nur notdürftig mit Brettern abgedeckt. Im Laufe der Jahrzehnte sind die Abdeckungen jedoch morsch geworden und können bereits bei geringer Belastung einbrechen. Besonders gefährlich wird es, wenn die alten Abdeckungen von Schlamm, Erde oder Geröll überlagert sind und sich kaum noch vom umliegenden Boden unterscheiden lassen. Ein solcher Schacht kann dadurch schnell zur unsichtbaren Falle werden.

In den Schwarzwälder Fluss- und Schwerspatgruben fallen die Erzgänge zumeist seiger, also nahezu senkrecht, ein. Die Abbaue erreichen dabei Höhen von 40 Metern und mehr. In diese Abbaue zimmerten die Bergleute sogenannte Schweben. Dabei handelt es sich um hölzerne Bühnen, die als Arbeitsplattformen oder Fahrwege dienten.

Im Laufe der Zeit sammelt sich auf diesen Schweben häufig nasses Material an. Die ständige Feuchtigkeit lässt das Holz verrotten, während das zusätzliche Gewicht die ohnehin geschwächte Konstruktion weiter belastet. Für den Befahrer sind solche Schweben oft kaum noch zu erkennen. Ehe man sich versieht, steht man bereits auf einer dieser alten Holzkonstruktionen. Ob sie das Gewicht noch tragen kann, ist völlig ungewiss und gleicht einem Glücksspiel.

Marode Schachtabdeckung, die leicht übersehen werden kann.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die zuvor beschriebenen Rollenschnauzen und Rollenlöcher zurückkommen. Diese befinden sich häufig direkt in den Abbauen oder auf den Stollensohlen. Wie bereits erwähnt, wurde das abgebaute Material über diese Öffnungen auf die nächsttiefere Sohle befördert. Somit stellen auch Rollenlöcher ein erhebliches Absturzrisiko dar. Besonders tückisch sind ihre teilweise brüchigen Kanten. Völlig unvermittelt kann man am Rand eines solchen Rollenlochs stehen, ohne die Gefahr rechtzeitig erkannt zu haben.

Doch nicht nur Schächte und Rollenlöcher stellen eine Gefahr dar. Auch bei kleineren Kletterpassagen kann man schnell abrutschen oder den Halt verlieren. Dabei muss es sich nicht einmal um einen Absturz über mehrere Meter handeln. Bereits ein Sturz aus zwei Metern Höhe kann schwere Verletzungen nach sich ziehen.

Deshalb gilt: Achtet immer darauf, wohin ihr tretet, und vertraut niemals auf alte Holzabdeckungen oder unbekannte Untergründe. Was auf den ersten Blick wie eine feste Sohle aussieht, kann sich als morsches Holz über einem tiefen Hohlraum entpuppen. Im Zweifelsfall lieber umkehren, als einen Absturz zu riskieren.

Gefahr: Absturzgefahr

Tödliche Gase

Sie kriechen lautlos durch die Strecken. Wir sehen sie nicht, riechen sie nicht, und doch können sie innerhalb kürzester Zeit tödlich sein. Gefährliche Gase und Sauerstoffmangel gehören zu den größten Gefahren im Altbergbau. Aber nicht nur in alten Gruben lauern solche Gefahren.

Vor geraumer Zeit war ich in einem kleinen Luftschutzstollen, mitten in einem belebten Park. Bereits beim Einstieg schlug unser Gaswarngerät Alarm. Nur drei Meter unterhalb des Einstiegs maßen wir eine CO₂-Konzentration von 2,24 %. Ein Wert, der bereits deutlich über der normalen Konzentration in der Umgebungsluft liegt und gesundheitlich bedenklich ist.

Während des aktiven Bergbaus wurden die Grubenbaue künstlich oder natürlich bewettert. In der Wetterkunde lernten die Bergleute, wie eine ausreichende Frischluftversorgung unter Tage sichergestellt werden konnte. Mithilfe von Wettertüren und anderen Einrichtungen lenkten sie die Wetter gezielt durch die einzelnen Grubenbereiche.

Heute funktioniert die natürliche Bewetterung in vielen stillgelegten Gruben nicht mehr zuverlässig, während die künstliche Bewetterung längst außer Betrieb ist. Selbst wenn einzelne Grubenbereiche noch gut bewettert sind, kann man innerhalb weniger Meter in Strecken mit schlechten Wettern gelangen. Besonders in tiefer gelegenen oder schlecht durchlüfteten Bereichen können sich gefährliche Gaskonzentrationen bilden oder Sauerstoffmangel auftreten.

Und nein, ein Feuerzeug oder eine Kerze sind keine Gaswarngeräte! Gleiches gilt für einfache CO₂- oder CO-Melder aus dem Baumarkt. Es bringt nichts, wenn du dir einen solchen Aufputzmelder an die Brust klebst. Diese Geräte sind für die Überwachung von Wohnräumen konzipiert und nicht für den Einsatz unter Tage.

Dräger X-AM 5600 welches ich unter Tage benutze, um gefährliche Gase zu messen.

Wer sich in solche Bereiche begibt, benötigt ein geeignetes, für den Personenschutz zugelassenes Mehrgaswarngerät, das mindestens Sauerstoff (O₂), Kohlendioxid (CO₂) und Kohlenmonoxid (CO) zuverlässig überwacht. Je nach Grube können weitere Gase eine Rolle spielen. Das Gerät muss regelmäßig geprüft, kalibriert und vor der Nutzung auf seine Funktion kontrolliert werden.

Besonders wichtig: Ein Gaswarngerät macht eine Grube nicht sicher. Es kann lediglich vor bestimmten Gefahren warnen. Schlägt das Gerät Alarm, ist der betroffene Bereich unverzüglich zu verlassen, sofern dies noch gefahrlos möglich ist. Bei Verdacht auf eine gefährliche Atmosphäre darf der Bereich nicht betreten werden. Auch Rettungsversuche ohne geeigneten Atemschutz können tödlich enden.

Tabelle mit CO₂-Werten und wie diese auf den menschlichen Körper wirken.
Tabelle mit CO₂-Werten und wie diese auf den menschlichen Körper wirken.
Gefahr: gefährliche Gase

Schimmelpilze

Schimmelpilze lieben hohe Luftfeuchtigkeit und können je nach Art in einem breiten Temperaturbereich wachsen. Besonders wohl fühlen sich viele Arten in feuchten Umgebungen, wobei eine dauerhaft hohe Feuchtigkeit entscheidend für ihr Wachstum ist.

Schimmelpilze besiedeln eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien und nutzen organische Bestandteile als Nahrungsquelle. So findet man sie beispielsweise auf Holz, Gipskarton, Tapeten, Farben und sogar auf Beton oder Kunststoffen. Selbst Materialien, die eigentlich keine Nährstoffe bieten, können befallen werden, wenn sich darauf Staub, Schmutz oder andere organische Ablagerungen ansammeln.

Im Altbergbau herrschen häufig ideale Bedingungen für das Wachstum von Pilzen. Hohe Luftfeuchtigkeit, gleichbleibende Temperaturen und reichlich organisches Material bieten dafür beste Voraussetzungen. Ganze Strecken, die ursprünglich mit hölzernen Türstöcken ausgebaut waren, sind im Laufe der Jahrzehnte dem Pilzbefall zum Opfer gefallen.

Das nachfolgende Bild zeigt eine solche Strecke im Altbergbau, die zu Betriebszeiten mit Türstöcken ausgebaut war. Nach der Stilllegung, möglicherweise aber auch schon während des Betriebs, breitete sich hier der sogenannte „Pilz der Bergwerke“ aus. Gemeint ist der Fächerschwamm (Paxillus acheruntus), ein holzzerstörender Pilz, der unter geeigneten Bedingungen ganze Holzkonstruktionen zersetzen kann.

An dieser Stelle der Grube treffen gleich mehrere Gefahren aufeinander:

  • Pilzsporen in der Atemluft: Diese können die Atemwege reizen und insbesondere bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen oder andere gesundheitliche Beschwerden auslösen.

  • Kohlendioxid: Beim mikrobiellen Abbau organischer Materialien entsteht CO₂, das sich bei unzureichender Bewetterung in der Grubenluft anreichern kann.

  • Bruchgefahr: Durch die fortschreitende Zersetzung des Holzes verliert der ursprüngliche Grubenausbau seine Tragfähigkeit. Dadurch steigt die Gefahr von Verbrüchen erheblich.

Auf dem nächsten Bild ist ein besonders ausgeprägter Pilzbefall zu erkennen. Hier sieht man deutlich, wie stark sich der Pilz unter geeigneten Bedingungen ausbreiten kann.

In dieser ehemaligen Werkstatt bemerkte man bereits beim Betreten, wie stark die Atemluft belastet war. Es fühlte sich regelrecht so an, als würden sich die Atemwege zuschnüren. Vermutlich befanden sich zahlreiche Pilzsporen und andere Schwebstoffe in der Luft, die durch die schlechte Belüftung kaum abgeführt wurden.

Ohne geeigneten Atemschutz sollte man solche Bereiche keinesfalls betreten! Eine gut sitzende FFP2-Maske kann die Belastung durch luftgetragene Pilzsporen reduzieren, bietet jedoch keinen Schutz vor Sauerstoffmangel oder gefährlichen Gasen. Bei starkem Pilzbefall und unbekannter Luftqualität ist es deshalb am sichersten, solche Räume grundsätzlich zu meiden.

Besonders Menschen mit Asthma, Allergien oder anderen Atemwegserkrankungen empfehle ich, einen großen Bogen um solche Bereiche zu machen. Denn was auf den ersten Blick nur wie ein ungewöhnliches Pilzgeflecht aussieht, kann erhebliche gesundheitliche und bauliche Gefahren mit sich bringen.

Extremer Schimmelbefall in einem Lagerraum der Grube Glück Auf in Unterloquitz.
Gefahr: Schimmelsporen

Holzeinbauten

Zu den letzten Dingen, denen man unter Tage Vertrauen entgegenbringen sollte, gehören Holzeinbauten wie Türstöcke, Podeste und Fahrten (Leitern). Was auf den ersten Blick noch stabil aussieht, wird häufig nur noch vom Kernholz zusammengehalten. Oft lässt sich bereits mit dem bloßen Finger in das Holz drücken.

Es kann schnell passieren, dass man ungewollt an einen Türstock stößt und dieser in sich zusammenfällt. Das alte Holz hat über die Jahre viel Wasser aufgenommen und ist dadurch extrem schwer. Hinzu kommt, dass die alten Türstöcke häufig Gesteinsbrocken über sich abstützen, die beim Zusammenbruch ebenfalls herabstürzen können. Ein Helm wird euch in einem solchen Fall nicht mehr schützen.

Speziell Holzfahrten sollten gemieden werden. Erwecken sie im ersten Augenblick noch Vertrauen, können sie ganz unverhofft brechen. Mit einer reinen Sichtprüfung lässt sich kaum feststellen, welche Sprosse bereits morsch ist und unter dem eigenen Gewicht nachgeben wird.

Ähnlich verhält es sich mit Metallfahrten. Diese erwecken zwar meist mehr Vertrauen, doch auch hier können Sprossen und andere Bauteile bereits stark durchgerostet sein. Natürlich kann eine Metallfahrt deutlich länger halten als eine aus Holz, aber auch an ihr nagt über die Jahre die Korrosion.

Ich versuche auf Fahrten (Leitern) immer drei feste Kontaktpunkte zu haben: einen Tritt vor den anderen und niemals beide Hände an derselben Sprosse. Habt ihr beide Hände an einer Sprosse und diese bricht, fehlt euch schlagartig der Halt und ihr könnt nach hinten kippen.

Gefahr: marode Fahrten

Nicht allein

Eine Grube sollte niemals allein befahren werden. Schon kleinere Zwischenfälle können dazu führen, dass man ohne Hilfe nicht mehr weiterkommt. Es reicht bereits ein Abstieg an einem fünf Meter langen Seil und eine fremde Person zieht dieses anschließend nach oben. Ohne Seilwache, die einen solchen Vorfall verhindert, kann ein Aufstieg plötzlich unmöglich werden.

Auch bei Verletzungen oder technischen Problemen ist eine zweite Person unverzichtbar. Je abgelegener und schwieriger die Anlage ist, desto wichtiger wird es, dass im Ernstfall jemand Hilfe holen oder zumindest unterstützen kann.

Gefahr: hilflos und allein

Marode Rollenschnauzen

Hier geht es nicht darum, was passiert, wenn ihr einen Abbau herunterrollt oder in selbigem Eierkullern spielt!

Rollenschnauzen (kurz Rolle oder Schnauze) sind Auslässe, über die das Material in die Förderwagen gelangte. Hinter der Rollenschnauze befindet sich das sogenannte Rollenloch. Das Material wurde beispielsweise aus einem Abbau oder von einer höheren Sohle in das Rollenloch geworfen. Von dort fiel es nach unten und sammelte sich hinter der Rollenschnauze. Über einen Schieber konnte das Material anschließend kontrolliert in die Förderwagen abgelassen werden.

Noch heute befindet sich hinter vielen dieser Rollenschnauzen eine erhebliche Menge an Material, häufig eine Mischung aus Geröll, Schlamm und Wasser. Es besteht die Gefahr, dass die Rollenschnauzen unter dem hohen Druck nachgeben oder brechen und sich das dahinterliegende Material schlagartig in den Stollen ergießt. Dabei könnt ihr verschüttet oder der gesamte Stollen vollständig verschlossen werden. Diese Gefahr besteht unabhängig davon, ob die Rollenschnauzen aus Holz oder Metall gefertigt sind.

Hier eine kleine Skizze zur Veranschaulichung der Funktionsweise einer Rolle. Das Material wird aus dem Abbau beispielsweise mithilfe eines Schrappers in den Rollentrichter gezogen. Von dort gelangt es durch das Rollenloch nach unten und sammelt sich hinter der Rollenschnauze. Durch das Öffnen des Schiebers kann es anschließend kontrolliert in den darunterstehenden Förderwagen abgelassen werden.

Skizze eines Rollenbunkers mit Lore unter der Rolle

Noch eine kleine Geschichte zum Thema Schnauze:

Im Schaubergwerk „Drei Kronen und Ehrt“ wurde mir einmal folgende Geschichte erzählt:

Kam der Bergmann nach seiner Schicht nach Hause und seine Frau fragte ihn, wie die Arbeit gewesen sei, soll es vorgekommen sein, dass er lediglich mit „Schnauze“ antwortete.

Keine Angst! Damit wollte er seiner Frau nicht etwa den Mund verbieten. Vielmehr bedeutete dies, dass er während seiner Schicht an der Rollenschnauze gearbeitet hatte und dort lediglich den Hebel des Schiebers bedienen musste. Eine vergleichsweise leichte Tätigkeit, wenn man bedenkt, wie anstrengend die Arbeit direkt im Abbau war.

Gefahr: instabile Ausbaukonstruktionen

Schlechte Geleuchte (Lampen)

Wer wenig Licht hat, sieht wenig. Und wer wenig sieht, kann schnell stürzen oder den Rückweg nicht mehr finden. Eine gute und zuverlässige Lampe ist deshalb das A und O bei jeder Befahrung unter Tage.

Eine zweite Lampe ist Pflicht, eine dritte das i-Tüpfelchen. Das Skurrilste, was wir in dieser Hinsicht jemals gefunden haben, war eine selbst gebaute Fackel, wie das nachfolgende Bild zeigt.

Gefundene Fakel, die im Stollen gefunden wurde.

Besonders empfehlenswert sind Helmlampen. Damit bleiben beide Hände frei und der Lichtkegel bewegt sich stets in Blickrichtung. Zusätzlich solltest du mindestens eine weitere Lampe mitführen, die du jederzeit griffbereit am Körper trägst. So kannst du sofort reagieren, falls dein Hauptgeleucht unerwartet ausfällt.

Ich selbst habe eine zweite kleine Lampe seitlich am Helm befestigt, die ich jederzeit zuschalten kann. Eine weitere Ersatzlampe gehört ebenfalls zu meiner Ausrüstung.

Denn eines ist sicher: Das Hauptgeleucht fällt immer im ungünstigsten Moment aus! Niemand möchte im Seil hängend oder auf einer Leiter stehend erst nach seiner Ersatzlampe suchen müssen.

Achte außerdem darauf, dass alle Lampen vor der Befahrung vollständig geladen sind und genügend Leuchtdauer für die gesamte Tour bieten. Plane dabei immer eine ausreichende Reserve ein. Eine Befahrung kann schließlich auch einmal deutlich länger dauern als ursprünglich vorgesehen.

Gefahr: schlechte Sicht im Dunkeln

Sauerstoffunterversorgung

An dieser Stelle möchte ich noch etwas genauer auf das Thema Sauerstoffmangel eingehen. Oft lese ich von Befahrern, die angeblich in Grubenteilen mit nur noch 16 % Sauerstoff unterwegs waren. Es war sogar schon von 13 % die Rede. Ob diese Angaben tatsächlich stimmen, wage ich zu bezweifeln. Allerdings kann ich es auch nicht völlig ausschließen. Ebenso wenig weiß ich, wie lange sich die betreffenden Personen unter solchen Bedingungen aufgehalten haben.

Fakt ist jedoch, dass solche Aussagen auf sozialen Plattformen die Gefahren einer Sauerstoffunterversorgung herunterspielen und andere Befahrer dazu verleiten können, diese Risiken zu unterschätzen.

Der menschliche Körper kommt mit einem Energiemangel erstaunlich lange zurecht. Unser Organismus verfügt über zahlreiche Reserven, auf die er bei Bedarf zurückgreifen kann. Doch eines benötigt er nahezu ununterbrochen: SAUERSTOFF!

Der normale Sauerstoffgehalt unserer Atemluft liegt bei etwa 20,9 %. Sauerstoff ist für die Energieversorgung unserer Zellen lebensnotwendig. Besonders empfindlich reagieren dabei das Gehirn und das Herz auf eine unzureichende Versorgung.

Natürlich kann sich der menschliche Körper bis zu einem gewissen Grad an geringere Sauerstoffkonzentrationen anpassen. So gibt es beispielsweise Betriebe, in denen der Sauerstoffgehalt der Raumluft aus Brandschutzgründen künstlich abgesenkt wird. Allerdings gelten dort besondere Schutzmaßnahmen, Zugangsbeschränkungen und arbeitsmedizinische Anforderungen. Solche kontrollierten Bedingungen lassen sich keinesfalls mit der unberechenbaren Atmosphäre in einem alten Bergwerk vergleichen.

Ich selbst habe bereits bei einem gemessenen Sauerstoffgehalt von 18 % Grabungsarbeiten verrichtet und dabei sehr deutlich gespürt, wie anstrengend dies für den Organismus sein kann. Mein Körper fühlte sich zunehmend schlapp an. Arme und Beine wurden immer schwerer, als wäre ich bereits seit Stunden unterwegs und vollkommen ausgepowert.

Eine ausreichende Sauerstoffversorgung ist für sämtliche Organe und Gewebe lebensnotwendig. Besonders das Gehirn reagiert empfindlich auf Sauerstoffmangel. Bei einer ausgeprägten Unterversorgung können Konzentrationsstörungen, Schwindel, Koordinationsprobleme und schließlich Bewusstlosigkeit auftreten. Bei schwerem oder länger anhaltendem Sauerstoffmangel drohen bleibende Organschäden bis hin zum Tod.

Bereits bei einem Sauerstoffgehalt unter 19,5 % gilt eine Atmosphäre nach gängigen Arbeitsschutzmaßstäben als sauerstoffarm. Sinkt der Wert weiter, nimmt das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen zu. Eine feste Grenze, ab der zwangsläufig irreversible Gewebeschäden entstehen, gibt es jedoch nicht. Entscheidend sind unter anderem die Sauerstoffkonzentration, die Aufenthaltsdauer, die körperliche Belastung und der individuelle Gesundheitszustand.

Besonders gefährlich wird es bei Konzentrationen von 16 % oder gar 13 %. Hier können erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten. Unter körperlicher Belastung verschärft sich die Situation zusätzlich. Bei noch niedrigeren Konzentrationen drohen Bewusstlosigkeit und lebensbedrohliche Zustände.

Das Tückische daran ist, dass Sauerstoffmangel auch das Urteilsvermögen beeinträchtigen kann. Betroffene erkennen ihre eigene Gefährdung möglicherweise nicht mehr rechtzeitig. Wer dann noch einen langen Rückweg oder schwierige Kletterpassagen vor sich hat, befindet sich schnell in einer lebensgefährlichen Situation.

Deshalb sollte niemand versuchen, seine persönliche Belastungsgrenze auszutesten. Eine sauerstoffarme Atmosphäre ist kein Ort für Experimente. Bereits der Verdacht auf Sauerstoffmangel ist ein Grund, den Bereich nicht zu betreten beziehungsweise ihn unverzüglich zu verlassen, sofern dies gefahrlos möglich ist.

Abschließend möchte ich euch noch einen Kommentarverlauf aus einer Facebook-Gruppe zeigen. Um die Privatsphäre der Beteiligten zu schützen, habe ich die Namen und Profilbilder unkenntlich gemacht.

Kommentarverlauf auf Facebook, in dem Symptome einer CO₂-Vergiftung erklärt werden.

Dieser Verlauf zeigt meiner Meinung nach sehr deutlich, wie leichtfertig teilweise mit dem Thema Sauerstoffmangel umgegangen wird. Bei Sauerstoffkonzentrationen von weniger als 13 Vol.-% können schwere gesundheitliche Schäden auftreten. Auch Todesfälle sind möglich!

Gefahr: Sauerstoffunterversorgung

Schwermetalle

Jeder von uns kennt Quecksilber und Blei. Dies sind nur zwei von vielen Schwermetallen, aber wohl die bekanntesten. Wir kennen sie beispielsweise aus alten Quecksilberthermometern oder von Bleischürzen, die beim Röntgen zum Strahlenschutz verwendet werden.

Es gibt jedoch auch essenzielle Schwermetalle, die für Menschen, Tiere und Pflanzen als Spurenelemente lebensnotwendig sind. Dazu zählen unter anderem Kupfer, Zink und Mangan. Dennoch können auch diese Stoffe bei einer zu hohen Aufnahme toxisch wirken.

An dieser Stelle muss ich ganz klar sagen, dass mein Wissen in Chemie und Geologie schlichtweg nicht ausreicht, um tiefer in dieses komplexe Thema einzusteigen. Liegt Quecksilber gediegen vor oder tritt es als Bestandteil des Minerals Zinnober auf? Handelt es sich um Chromit oder Galenit? Je nach Mineral und chemischer Verbindung können sich die Eigenschaften und gesundheitlichen Risiken erheblich unterscheiden.

Fakt ist, dass ich in Gruben, in denen schwermetallhaltige Erze abgebaut wurden, besonders vorsichtig mit Essen und Trinken umgehe. Ich vermeide es möglichst, mit verschmutzten Händen Lebensmittel anzufassen, und trage beim Kontakt mit Gestein und Ablagerungen Handschuhe. In staubiger Umgebung gehört außerdem eine geeignete Atemschutzmaske zu meiner Ausrüstung.

Besonders problematisch können feine Stäube sein, die beim Begehen alter Grubenbaue aufgewirbelt werden. Diese können schwermetallhaltige Partikel enthalten, die über die Atemwege in den Körper gelangen. Ebenso können solche Stoffe über verschmutzte Hände, Lebensmittel oder Getränke aufgenommen werden. Deshalb sollte man grundsätzlich vermeiden, Staub unnötig aufzuwirbeln oder während einer Befahrung mit verschmutzten Händen zu essen.

Dabei darf man nicht vergessen, dass mögliche Belastungen nicht immer sichtbar sind. Auch unscheinbare Ablagerungen oder feiner Staub können problematische Stoffe enthalten. Welche Gefahren tatsächlich bestehen, hängt jedoch stark von der jeweiligen Lagerstätte, den vorkommenden Mineralien und deren chemischer Zusammensetzung ab.

Das Thema stillgelegter Bergbau beziehungsweise Altbergbau nimmt mittlerweile einen wichtigen Platz auf meiner Webseite ein. Deshalb möchte ich nicht nur schöne und ansprechende Bilder aus diesen faszinierenden unterirdischen Welten zeigen, sondern auch informative Texte bereitstellen und auf die möglichen Gefahren aufmerksam machen.

Denn so interessant die alten Gruben auch sind, sollte man niemals vergessen, dass sich hinter ihrer faszinierenden Geschichte auch gesundheitliche Risiken verbergen können.

Gefahr: Schwermetalbelastungen