Das Kreidlerwerk I am Siegelberg in Stuttgart-Zuffenhausen war während des Zweiten Weltkriegs ein kriegswichtiger Industriebetrieb. Im Werk wurden vor allem Kabel und Metallprodukte hergestellt. Aufgrund seiner Bedeutung für die Rüstungswirtschaft gehörte es zusammen mit den benachbarten Werken von Bosch, Heinkel und Hirth zu den bevorzugten Zielen alliierter Luftangriffe.
Luftschutzanstrengungen der Firma Kreidler in Stuttgart-Zuffenhausen
Der Kreidler-Bunker im Detail
Der Bunker wurde aus sogenanntem Einkornbeton gefertigt. Dabei handelt es sich um einen Beton, der aus Zement und Zuschlagstoffen ähnlicher Korngröße (8–16 mm) besteht und im Gegensatz zu herkömmlichem Beton (0-16 mm) keine Feinanteile enthält. Dadurch entstehen zahlreiche Hohlräume zwischen den Gesteinskörnern, wodurch sowohl Sand als auch Zement eingespart werden können.
Der Bau des Bunkers ist mit dem Bau eines Kellers vergleichbar. Zuerst wurde die Baugrube ausgehoben, den Aushub verteilte man auf dem westlich angrenzenden Grundstück. Die Aufschüttungen sind heute noch deutlich erkennbar. Im nächsten Schritt wurden die Bodenplatte, die Außenmauern und die Notausstiege erstellt. Im Anschluss kam die Decke auf das Bauwerk. Schließlich dichtete man es gegen eindringende Feuchtigkeit ab und übererdete es wieder. Zu guter Letzt erstellt man die Raumaufteilung mittels Ziegelmauern.
Man muss sich den Bunker in drei Teilbereichen vorstellen. Der linke Bereich besteht aus zwei großen Räumen, an die jeweils zwei kleinere anschließen. Im Mittelteil befanden sich die sanitären Einrichtungen sowie weitere Wirtschaftsräume. Der rechte Bereich umfasste zwei weitere große Aufenthaltsräume.
Im Anschluss an die beiden Treppenabgänge befand sich jeweils ein kleiner Schleusenbereich. Der mittlere Zugang war der Hauptzugang und sicherlich der Geschäftsleitung vorbehalten. Von hier aus konnten direkt die meisten Räume erreicht werden (siehe Grundriss), auch eine kleine Dekontaminationsdusche schloss an diesen Schleusenbereich an.
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Hinter der Schleuse des rechten Zugangs befanden sich direkt zwei nebeneinanderliegende Aufenthaltsräume mit jeweils 26 m² Fläche, eine Durchgangstür verband die beiden Räume. In den Räumen sind umlaufend Bretter auf Rückenhöhe angebracht. Es ist davon auszugehen, dass in diesen Räumen Bänke für den Aufenthalt während der Liftangriffe standen. In einem der beiden Räume war auch die Lüftungsanlage untergebracht. Die Befestigungen an der Wand sowie die Rohrleitungen sind noch vorhanden. Bei Stromausfall konnten sich die Insassen beim manuellen Betrieb des Lüftungssystems abwechseln.
Die Frischluftansaugung erfolgte über Rohre, die innerhalb der Notausstiege nach außen führten. Im Gebäude verteilte sich die Frischluft über mehrere Luftauslässe. Auch in diesem Bunker wurde ein leichter Überdruck erzeugt, um das Eindringen von Kampfstoffen zu verhindern. An den Außenwänden finden sich Überdruckventile, die vermutlich eine Eigenanfertigung der Firma Kreidler sind.
Derzeitige Nutzung
Laut Flurkarte gehört das Grundstück zum benachbarten Gartencenter und ist heute weitgehend ungenutzt. Im mittleren Eingangsbereich wurde ein GFK-Teichbecken entsorgt, das den Zugang teilweise versperrt. In einigen Räumen sowie im rechten Schleusenbereich wurden ebenfalls Gegenstände des Gartencenters eingelagert oder besser gesagt entsorgt. Insgesamt zeigt sich der Luftschutzbunker in einem eher desolaten Zustand, sodass es nicht einfach war, noch ein paar gute Bilder aufzunehmen.
Auch das Gelände über dem Bauwerk ist von umgestürzten Bäumen stark gezeichnet.
Fazit
- Veröffentlicht am 27. Juni 2026
- Erstellt von Trümmer Lümmler
- Zuletzt aktualisiert am 27. Juni 2026
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