Schaubergwerke, Schauhöhlen und Museumsbunker

Dich interessieren Dokumentarfilme aus dem untertägigen Bereich?

Du hast eine Frage? Dann schreibe mir eine Nachricht.

Zeigt den Sani-Luftschutzstollen des ehem. Reserverlazaretts IV in Trier, mit seinen diversen Räumen.

Der Lazarettstollen Ehrenpflicht

Im bewaldeten Hang eines Berges im westlichen Trierer Stadtgebiet verbirgt sich eine Luftschutzanlage aus dem Zweiten Weltkrieg. Die bekannten Eingänge liegen im Bereich eines ehemaligen Kasernengeländes. Zeitzeugenberichte deuten darauf hin, dass die Anlage nicht vollständig neu errichtet wurde, sondern auf bereits vorhandenen unterirdischen Kasernenkellern basierte, die während des Krieges zu einem Luftschutzstollen ausgebaut wurden. Um den Stollen vor Vandalismus zu schützen, wird er im Folgenden unter dem fiktiven Namen „Lazarettstollen Ehrenpflicht“ geführt; auf genaue Ortsangaben wird bewusst verzichtet.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung der Anlage zu Zeiten der Hornkaserne

Unweit des Stollens befand sich die zwischen 1889 und 1892 erbaute Kaserne, benannt nach dem preußischen General Heinrich Wilhelm von Horn. Dort war bis 1918 das 3. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 29 stationiert. Nach Zwischennutzung durch französische Truppen (1919–1930, darunter Charles de Gaulle als Bataillonskommandeur) kehrte 1936 mit der Remilitarisierung des Rheinlandes die Wehrmacht zurück.

Genau in diese Phase fällt möglicherweise die Nutzung unterirdischer Kelleranlagen, auf die der spätere Luftschutzstollen zurückgeht. Der Zeitzeuge Werner Longen berichtete, dass bereits Kelleranlagen der Kaserne existierten, die um die Jahrhundertwende entstanden sein sollen. Diese Gewölbekeller boten eine ideale Grundlage für den Ausbau zu einer Luftschutzanlage, da sie im massiven Fels lagen und eine erhebliche natürliche Überdeckung aufwiesen. Während des Krieges wurden sie großzügig erweitert, wie wir später im Grundriss sehen werden. Von der Kaserne selbst sind heute nur noch wenige Gebäude erhalten, darunter die ehemalige Reit- und Exerzierhalle, die seit 1934 als Pfarrkirche dient.

Reservelazarett IV

Bereits während des Ersten Weltkriegs befand sich in der Hornkaserne das Reservelazarett IV. Trier lag in unmittelbarer Nähe zur Westfront und diente als bedeutender Militär-, Versorgungs- und Lazarettstandort. Zahlreiche verwundete Soldaten wurden über die Stadt verteilt in mehreren Reservelazaretten behandelt.

Auch im Zweiten Weltkrieg gewann Trier durch seine Lage im Westen erneut große strategische Bedeutung. Spätestens 1944 wurde die Stadt selbst zum Frontgebiet und war schweren Luftangriffen ausgesetzt. Besonders die Bombardierungen im August und Dezember 1944 verursachten erhebliche Zerstörungen und zahlreiche Todesopfer. Keller, Bunker und Luftschutzstollen wurden für die Bevölkerung daher zu lebenswichtigen Zufluchtsorten.

Einordnung in das Trierer Luftschutzprogramm

Ob der Ausbau des Luftschutzstollens in die Phase fiel, in der Trier sein Luftschutzkonzept grundlegend veränderte, ließ sich nicht belegen. Da die vorhandenen Hochbunker den steigenden Bedarf nicht decken konnten, begann die Stadt ab 1941 mit dem Bau bombensicherer Felsenstollen in den umliegenden Berghängen. Bereits im Februar 1941 starteten die Bauarbeiten an mehreren Standorten gleichzeitig, 1942 folgten weitere Anlagen. Insgesamt entstanden in Trier mindestens acht bombensichere Luftschutzstollen sowie mehrere Hochbunker.

Die umfangreiche Ausstattung des Stollens mit einer Zentralheizung, zwei separaten Lüftungsanlagen sowie großzügig angelegten Sanitär- und Küchenbereichen spricht jedoch eher für einen frühen und bevorzugten Ausbau. Vermutlich profitierte die Anlage aufgrund ihrer militärischen Nutzung von einer bevorzugten Ausstattung.

Nutzen, Größe und Aufbau

Die Aufteilung, Ausstattung sowie die räumliche Nähe zum Reservelazarett IV lassen kaum Raum für Spekulationen. Bei diesem Bauwerk handelt es sich um einen Luftschutzstollen, in dem während des Zweiten Weltkriegs verwundete Soldaten untergebracht wurden.

Die Anlage erstreckt sich über eine Länge von etwa 65 Metern, hinzu kommen die Zugangsstollen. Der im Buntsandstein aufgefahrene Hohlraum der Quergalerie muss vor dem Einbau der Außen- und Innenwände auf mindestens 7 Meter Breite und 5 Meter Höhe aufgefahren worden sein. Die Gesamtlänge des Hohlraums dürfte an die 70 Meter betragen haben. Das Bauwerk wurde in 7 bis 9 Abschnitte unterteilt, was besonders im Grundriss und im 3D-Scan erkennbar ist. Im Flur markieren die Treppen diesen Bereich. Dort überwindet man nicht nur ein unterschiedliches Höhenniveau, sondern auch eine massivere Trennwand von 50 cm Stärke. Die Raumhöhe am höchsten Punkt der gewölbten Decke beträgt im Flur durchgängig 4 Meter.

Skizzierter Querschnitt des Luftschutzstollens.
Skizzierter Querschnitt des Luftschutzstollens.

Die gesamte Anlage wurde schließlich mit kleineren Trennwänden in über 40 einzelne Räume unterteilt, wobei der Großteil als Liegeräume diente. In insgesamt 31 Liegeräumen mit jeweils sechs Liegen fanden 186 Personen Platz.

Die Liegeräume verfügten auf jeder Seite über drei an der Wand befestigte Klappbetten, eine eigene Frischluftzufuhr sowie eine Heizung. Der Raum selbst war dabei nicht größer als 5,4 Quadratmeter, dabei lag der Platzbedarf pro Person im Normbereich.

Einer der Liegeräume von innen. Die Wände sind grau und an der Decke verlaufen Stahlträger, welche die Betten hielten.
Die Liegen wurden an der Wand verankert und an dem Stahlträger mit Ketten abgehangen. Aus der Wand kommt die Frischluftzufuhr.
Durchgangstür zum Liegeraum mit der Nummer 27, im Raum sieht man den gusseisernen Heizkörper.
Die Eingangstür zum Liegeraum 27. Die Leuchtstreifen weisen den Weg auch bei Stromausfall. Im Raum gegenüber der Tür war in jedem Raum ein Heizkörper montiert.
 

Zusätzlich befanden sich im Stollen eine Küche, getrennte Sanitäreinrichtungen für Frauen und Männer, ein Verbandsraum, eine batteriebetriebene Notbeleuchtung sowie Räumlichkeiten für Ordner und Laienhelferinnen. Die Frischluftversorgung erfolgte über zwei Maschinenräume, die sich jeweils unweit der Eingänge befanden, wie im Grundriss gut zu erkennen ist. Als Schutzluftfilter kamen Filter der Firma Dräger zum Einsatz, welche noch heute in den Maschinenräumen liegen.

Exkurs: Die Luftfilteranlage der Firma Delbag

Für die Belüftung des Lazarettstollens Ehrenpflicht kamen zwei Luftfilteranlagen der Firma Delbag (Deutsche Luftfilter-Baugesellschaft) aus Berlin zum Einsatz. Das Unternehmen wurde 1909 in Berlin gegründet und zählte zu den ältesten und namhaftesten deutschen Spezialisten für Luftfiltration. Während des Zweiten Weltkriegs lieferte Delbag Filteranlagen für zahllose Luftschutzbunker im gesamten Deutschen Reich. Die Funktionsweise war prinzipiell einfach, aber wirkungsvoll: Die Außenluft wurde über einen Ansaugschacht angesaugt und passierte zunächst einen Grobstaubfilter, der grobe Partikel zurückhielt. Anschließend durchströmte die Luft einen Gasfilter, der sie von chemischen Kampfstoffen befreite. Ein elektrisch oder manuell betriebenes Gebläse förderte die gereinigte Luft anschließend in den Stollen. Auf diese Weise war den im Stollen ausharrenden Personen eine kontinuierliche Frischluftversorgung gesichert, während sie gleichzeitig vor Rauch, Staub und potenziellen Giftgasen geschützt waren.

Zeigt das Typenschild der Lüftungsanlage im Maschinenraum 1 des Luftschutzstollens.
DELBAG-BERLIN Fabrikat Nr. 79385 - Typenschild an der Luftfilteranlage im Maschinenraum 1.

Nach dem Krieg entwickelte sich Delbag weiter und gehörte später zur GEA Group, bevor das Unternehmen 2018 von der Hengst Group übernommen wurde. Damit gehört die einstige Delbag heute zum globalen Portfolio der Hengst Filtration, behielt aber ihren Sitz in Berlin.

Das Portal des Hauptzugangs ist mit einer Natursteinverkleidung aus Sandstein gestaltet. Es ist davon auszugehen, dass diese bereits vor der Nutzung als Luftschutzstollen bestand und im Zuge des Baus der ehemaligen Kelleranlagen entstand. Ein weiterer, als Notausgang gekennzeichneter Zugang existiert heute nicht mehr, da er von außen verschlossen wurde.

An beide Zugänge schloss sich jeweils eine Gasschleuse mit massiven Stahltüren sowie ein weiterer großzügig dimensionierter Schleusenraum an. Diese sollten das Eindringen von Druckwellen, Rauch und Giftgasen in den eigentlichen Schutzbereich verhindern.

Zeigt das mit Efeu überwachsene Eingansbauwerk des Luftschutzstollens des ehemaligen Reservelazaretts IV in Trier.
Das mit Buntsandstein verblendete Eingangsbauwerk.
Zeigt die rostige Stahltür der Gasschleuse des Notausgangs mit fluoreszierenden Streifen an den Wänden.
Blick in die Gasschleuse des Notausgangs.

Premium-Inhalte: Seltener Grundriss, 3D-Modell und Hotspotgrafik

Ich stelle meinen Premium-Nutzern einen detaillierten Grundriss, ein 3D-Modell sowie eine Hotspotgrafik dieser Anlage zur Verfügung. Alle Räume sind mit einer Legende beschriftet. Damit lassen sich der Aufbau, die Raumverteilung und die baulichen Details wie die 7–9 Abschnitte und die über 40 Räume besonders gut nachvollziehen – ideal für alle, die sich intensiver mit dem Bauwerk beschäftigen möchten.

 

Premium-Inhalt (Grundriss, 3D-Modell und anklickbare Hotspots) für Premium-Mitglieder.
Melde dich an oder informiere dich hier.

Lebensmittelmarken im Zweiten Weltkrieg

Im Luftschutzstollen fanden sich noch zahlreiche Lebensmittelmarken. Besonders viele lagen in einem Kellerraum unterhalb der Küche. Da die Heizungsrohre in diesen Raum führten, ist davon auszugehen, dass sich dort Teile der Heizungsanlage befanden.

Auch im Maschinenraum 1 wurden noch zahlreiche Lebensmittelmarken entdeckt, teilweise in ganzen Blöcken. Ein Teil davon war bereits angekohlt. Scheinbar wurden diese absichtlich angezündet.

Exkurs: Lebensmittelmarken im Zweiten Weltkrieg

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Versorgung der Bevölkerung in Deutschland schrittweise rationiert. Ab dem 27. August 1939 erhielt nahezu jeder Bürger Lebensmittelkarten, die den Bezug von Grundnahrungsmitteln wie Brot, Fleisch, Fett, Zucker oder Butter regelten. Der tatsächliche Einkauf war nur gegen Vorlage der entsprechenden Marken und ausreichender Warenverfügbarkeit möglich.

Die zugeteilten Mengen richteten sich nach Alter, Beruf und körperlicher Belastung. Schwerarbeiter, Bergleute oder Beschäftigte in kriegswichtigen Betrieben erhielten zusätzliche Rationen, um ihren erhöhten Energiebedarf zu decken. Trotz dieser Sonderzuteilungen verschlechterte sich die Versorgungslage im Verlauf des Krieges zunehmend. Besonders ab 1944 führten Transportprobleme, Ernteausfälle und alliierte Bombenangriffe auf Verkehrswege zu erheblichen Engpässen. Lebensmittelmarken blieben zwar bis Kriegsende gültig, konnten jedoch häufig nicht mehr vollständig eingelöst werden.

Leicht verbrannte Lebensmittelkarten aus dem 2. Weltkrieg, liegen auf einem Luftfilter im Luftschutzstollen.
Lebensmittelkarten für Butter
Leicht verbrannte Lebensmittelkarten aus dem 2. Weltkrieg, liegen auf einem Luftfilter im Luftschutzstollen.
Packzettel
Leicht verbrannte Lebensmittelkarten aus dem 2. Weltkrieg, liegen auf einem Luftfilter im Luftschutzstollen.
Grundkarte für Kinder von 6–10 Jahren
Leicht verbrannte Lebensmittelkarten aus dem 2. Weltkrieg, liegen auf einem Luftfilter im Luftschutzstollen.
Lebensmittelkarte für Urlauber

Fazit

Der „Lazarettstollen Ehrenpflicht“ gehört zu den außergewöhnlichsten Luftschutzanlagen im Trierer Stadtgebiet. Seine Größe, die durchdachte Raumaufteilung und die umfangreiche technische Ausstattung unterscheiden ihn deutlich von einfachen Luftschutzstollen für die Zivilbevölkerung. Vielmehr sprechen zahlreiche bauliche Merkmale dafür, dass die Anlage gezielt für die Unterbringung und Versorgung verwundeter Soldaten des nahegelegenen Reservelazaretts IV geschaffen wurde.

Im Rahmen der umfangreichen Dokumentation der Anlage war es erstmals möglich, einen detaillierten Grundriss sowie ein präzises 3D-Modell zu erstellen. Dadurch konnte die innere Struktur des Stollens mit seinen mehr als 40 Räumen, den einzelnen Bauabschnitten und der technischen Ausstattung umfassend erfasst und nachvollziehbar rekonstruiert werden. Diese Dokumentation leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung und langfristigen Sicherung des Bauwerks.

Bilder von Trümmer Lümmler aus 2026
Bilder von Hansi aus 2026
0 0 Bewertungen
Beitrags Bewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Oldest
Newest Most Voted

Das wird dich auch interessieren​

Neue Beiträge
Test
Kommentare

Neuste Kommentare

Top bewertet

Wer schreibt hier?
Profilbild von Trümmer Lümmler
Trümmer Lümmler

Ich freue mich, dass du hierher gefunden hast. Mein Name ist René und ich bezeichne mich als Altbergbau-Enthusiast. Diese Seite betreibe ich bereits seit Mai 2013 und als Grundlage dafür dient mir das Content-Management-System von Joomla Projekt.

Gefahrenhinweis

Alle untertägigen Anlagen wie Bunker, Luftschutzstollen und Grubenbaue stellen ein hohes Unfallrisiko dar! Alle Beiträge auf dieser Seite beschäftigen sich ausschließlich mit dem geschichtlichen und handwerklichen Aspekt. Die Beiträge stellen keine Aufforderung oder Anregung zum Betreten solcher dar. Vnv-urbex.de beschäftigt sich vorrangig mit bergbaulicher Geschichte und möchte diese veranschaulichen und bewahren. Vom eigenmächtigen Betreten untertägiger Anlagen, egal in welcher Form, wird dringend abgeraten!