Schaubergwerke, Schauhöhlen und Museumsbunker

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Zeigt einen Aufenthaltsraum im Luftschutzbunker der Firma Kreidler in Stuttgart-Zuffenhausen.

Der Luftschutzbunker des Kreidlerwerks

Das Kreidlerwerk I am Siegelberg in Stuttgart-Zuffenhausen war während des Zweiten Weltkriegs ein kriegswichtiger Industriebetrieb. Im Werk wurden vor allem Kabel und Metallprodukte hergestellt. Aufgrund seiner Bedeutung für die Rüstungswirtschaft gehörte es zusammen mit den benachbarten Werken von Bosch, Heinkel und Hirth zu den bevorzugten Zielen alliierter Luftangriffe.

Inhaltsverzeichnis

Luftschutzanstrengungen der Firma Kreidler in Stuttgart-Zuffenhausen

Die Firma Kreidler begann bereits im Jahr 1940 mit dem Bau der ersten Bunkeranlagen, welche anfangs allerdings überwiegend der Betriebsleitung zur Verfügung standen.
 
In einem heimatgeschichtlichen Aufsatz des „Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis Zuffenhausen“ heißt es:
 
Kreidler begann deshalb bereits im Jahre 1940, Luftschutzeinrichtungen für seine Mitarbeiter zu planen und bewies damit Weitblick.
 
Diese Aussage kann in Teilen widerlegt werden. Sicherlich planten die Verantwortlichen frühzeitig, allerdings in zu kleinen Dimensionen mit anteilig mehr Platz für die Betriebsleitung. Größere Schutzräume für die Belegschaft und deren Angehörige errichtete man erst ab 1944. Der erste große Luftangriff auf Zuffenhausen erfolgte aber bereits am 5. Mai 1942.  Die Royal Air Force griff die Rüstungsindustrie im Norden Stuttgarts an, insbesondere die Hirth-Motorenwerke. Aufgrund schlechter Sicht gingen zahlreiche Bomben auch über Zuffenhausen nieder.
 
Dorothea D. äußerte sich im Buch „Wer die Zeit nicht miterlebt hat…“ von Margarete Dörr wie folgt:
 
DOROTHEA D. (1924) war im Labor des Rüstungsbetriebs der Firma Kreidler in Stuttgart-Zuffenhausen tätig. Dort musste sie Luftschutzdienst machen: »Das war so eine Art Telefondienst, wo die Meldungen von Bränden innerhalb des Firmengeländes weitergegeben werden mussten… Die Betriebsleitung saß im sicheren Schutzraum, und wir saßen zu ebener Erde, ungeschützt.«
 
Dieser Zeitzeugenbericht ist besonders interessant, weil er Kreidler ausdrücklich als „Rüstungsbetrieb“ bezeichnet und zugleich zeigt, dass zumindest Teile der Belegschaft während der Luftangriffe nicht in den geschützten Werksbunkern untergebracht waren, sondern oberirdisch Luftschutz- und Meldedienste verrichten mussten. Dies ergänzt die Angaben zu den umfangreichen Luftschutzanlagen des Kreidlerwerks am Siegelberg um eine persönliche Perspektive aus dem Arbeitsalltag während der Bombenangriffe.
 
Es gab zwei Bunker auf dem Gelände der Kreidlerwerke. Der erste mit einer Grundfläche von 7,3 × 28,60 Metern und ein weiterer Bunker, der nur halb so groß war. Die genauen Mitarbeiterzahlen sind mir leider nicht bekannt. Da das Unternehmen aber bereits in den Vorkriegsjahren massiv expandierte und während des Krieges kriegswichtige Güter produzierte, ist davon auszugehen, dass die zwei bestehenden Bunker ohnehin nicht für alle Mitarbeiter der Betriebsstätte ausgereicht hätten.
 
Weitere Schutzplätze, insbesondere für das Personal und dessen Angehörige, entstanden erst ab 1944 hinter dem Werksgelände der Firma Kreidler.
 

Der Kreidler-Bunker im Detail

Der Bunker wurde aus sogenanntem Einkornbeton gefertigt. Dabei handelt es sich um einen Beton, der aus Zement und Zuschlagstoffen ähnlicher Korngröße (8–16 mm) besteht und im Gegensatz zu herkömmlichem Beton (0-16 mm) keine Feinanteile enthält. Dadurch entstehen zahlreiche Hohlräume zwischen den Gesteinskörnern, wodurch sowohl Sand als auch Zement eingespart werden können.

 

Der Bau des Bunkers ist mit dem Bau eines Kellers vergleichbar. Zuerst wurde die Baugrube ausgehoben, den Aushub verteilte man auf dem westlich angrenzenden Grundstück. Die Aufschüttungen sind heute noch deutlich erkennbar. Im nächsten Schritt wurden die Bodenplatte, die Außenmauern und die Notausstiege erstellt. Im Anschluss kam die Decke auf das Bauwerk. Schließlich dichtete man es gegen eindringende Feuchtigkeit ab und übererdete es wieder. Zu guter Letzt erstellt man die Raumaufteilung mittels Ziegelmauern. 

Nach Abschluss der Arbeiten waren nur noch die kleinen Notausstiege, Luftrohre und die beiden Treppenabgänge sichtbar. Ob die Treppen später getarnt wurden, konnte nicht festgestellt werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass weitere kleine Tarnmaßnahmen umgesetzt wurden.
Luftbild des Luftschutzbunkers in Stuttgart-Zuffenhausen, umgeben von Bäumen und Laub, zeigt den Zugang | © Name.
Luftbild des zweiten Zugangs.

Man muss sich den Bunker in drei Teilbereichen vorstellen. Der linke Bereich besteht aus zwei großen Räumen, an die jeweils zwei kleinere anschließen. Im Mittelteil befanden sich die sanitären Einrichtungen sowie weitere Wirtschaftsräume. Der rechte Bereich umfasste zwei weitere große Aufenthaltsräume.

Im Anschluss an die beiden Treppenabgänge befand sich jeweils ein kleiner Schleusenbereich. Der mittlere Zugang war der Hauptzugang und sicherlich der Geschäftsleitung vorbehalten. Von hier aus konnten direkt die meisten Räume erreicht werden (siehe Grundriss), auch eine kleine Dekontaminationsdusche schloss an diesen Schleusenbereich an. 

 

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Hinter der Schleuse des rechten Zugangs befanden sich direkt zwei nebeneinanderliegende Aufenthaltsräume mit jeweils 26 m² Fläche, eine Durchgangstür verband die beiden Räume. In den Räumen sind umlaufend Bretter auf Rückenhöhe angebracht. Es ist davon auszugehen, dass in diesen Räumen Bänke für den Aufenthalt während der Liftangriffe standen. In einem der beiden Räume war auch die Lüftungsanlage untergebracht. Die Befestigungen an der Wand sowie die Rohrleitungen sind noch vorhanden. Bei Stromausfall konnten sich die Insassen beim manuellen Betrieb des Lüftungssystems abwechseln.

Blick in den Aufenthaltsraum des Kreidler-Bunkers. Die Decke ist gewölbt und besteht aus Ziegelstein, die Außenwände sind Betonrau.
Aufenthaltsraum, vermutlich für Mitarbeiter.

Die Frischluftansaugung erfolgte über Rohre, die innerhalb der Notausstiege nach außen führten. Im Gebäude verteilte sich die Frischluft über mehrere Luftauslässe. Auch in diesem Bunker wurde ein leichter Überdruck erzeugt, um das Eindringen von Kampfstoffen zu verhindern. An den Außenwänden finden sich Überdruckventile, die vermutlich eine Eigenanfertigung der Firma Kreidler sind.

Zeigt die Metalltür zum Notausstieg im Bunker. Von oben scheint Licht den Schacht hinunter.
Metalltür zum Notausstieg
Abgewinkeltes Zuluftrohr neben dem Notausstieg des Kreidler-Bunkers.
Frischluftansaugung und Notausstieg
Der Bunker war voll elektrifiziert, inklusive Außenbeleuchtung über den Eingängen. Wie bereits erwähnt gab es eine kleine Dekontaminationsdusche sowie ein festinstalliertes WC und eine Art Wirtschaftsraum.

Derzeitige Nutzung

Laut Flurkarte gehört das Grundstück zum benachbarten Gartencenter und ist heute weitgehend ungenutzt. Im mittleren Eingangsbereich wurde ein GFK-Teichbecken entsorgt, das den Zugang teilweise versperrt. In einigen Räumen sowie im rechten Schleusenbereich wurden ebenfalls Gegenstände des Gartencenters eingelagert oder besser gesagt entsorgt. Insgesamt zeigt sich der Luftschutzbunker in einem eher desolaten Zustand, sodass es nicht einfach war, noch ein paar gute Bilder aufzunehmen.

Auch das Gelände über dem Bauwerk ist von umgestürzten Bäumen stark gezeichnet.

Fazit

Die erhaltenen Luftschutzanlagen des Kreidlerwerks geben einen seltenen Einblick in die betriebliche Luftschutzvorsorge eines kriegswichtigen Industriebetriebs. Gleichzeitig zeigt sich, dass die vorhandenen Schutzräume trotz ihres vergleichsweise frühen Baus und ihrer technischen Ausstattung keineswegs ausreichten, um die gesamte Belegschaft zu schützen. Zeitzeugenberichte und die späte Errichtung weiterer Schutzplätze ab 1944 verdeutlichen, dass betriebliche Erfordernisse und der Schutz der Beschäftigten nicht immer im gleichen Maß berücksichtigt wurden. Der heute stark vernachlässigte Bunker stellt damit ein wichtiges Zeugnis der Arbeits- und Kriegsgeschichte des Kreidlerwerks in Stuttgart-Zuffenhausen dar.
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