Die Schiefergrube Kurzer Strick war ein Bergwerk zum Abbau von Dach- und Tafelschiefer. Sie gehörte zu den größeren und technisch aufwendigeren Schiefergruben ihrer Region.
Der Name der Grube ist zum Schutz natürlich nur fiktiv und entstand beim ersten Besuch. Es stand die Aussage im Raum, dass für die Einfahrt ein kurzer Strick reicht. Kurzer Strick, super zum Reinrutschen oder Rausklettern. Als wir allerdings am besagten Punkt standen, war uns schon aus der Ferne klar, dass der kurze Strick wohl eher umgangssprachlich gemeint war, und so vertagten wir die Aktion auf das Frühjahr.
Geologie und Aufbau
Abgebaut wurde Unterkarbon-Schiefer (Kulm-Schiefer). Die Schiefergrube verfügte über drei Hauptsohlen auf 513 m, 468 m und 386 m. Das Grubengebäude umfasste zahlreiche Stollen, Schächte und Bremsberge. Die unterirdische Ausdehnung betrug nahezu einen Quadratkilometer. Teilweise erreichten die Abbauräume Höhen von über 50 Metern. Die untere Sohle wird heute als Wasserreservoir genutzt und ist abgemauert und verschlossen.
In den 1960er Jahren wurden im Bereich der oberen Grubensohlen Fässer mit Pflanzenvernichtungsmitteln gelagert, die zur chemischen Freihaltung des damaligen Grenzstreifens bestimmt waren. Nachdem mehrere dieser Fässer undicht wurden, gelangten Schadstoffe in das angestaute Wasser der unteren Sohlen. Dadurch entstand eine erhebliche Gefährdung der Trinkwasserversorgung, da die untere Sohle als Wasserspeicher genutzt wurde. Nach zeitgenössischen Berichten konnte eine schwerwiegende Vergiftung der Bevölkerung nur knapp verhindert werden.
Entstehung und Betrieb
Das Grubenfeld wurde 1857 verliehen. Erste gesicherte Förderzahlen stammen aus dem Jahr 1887 mit 107 Tonnen Schiefer. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde die Schiefergrube zu einem bedeutenden Abbaubetrieb ausgebaut.
Besonderheit des Abbauverfahrens
Eine bergbauliche Besonderheit der Schiefergrube Kurzer Strick war der Einsatz des rheinischen Abbauverfahrens, das im thüringischen Schieferbergbau nur selten angewendet wurde. Mir ist jetzt aus dem Stand keine weitere Grube bekannt, in der dieses Abbauverfahren angewandt wurde. Während in Thüringen die Hohlbaue meist offengelassen wurden, stellte diese Technik innerhalb der Region eine Ausnahme dar.
Beim Rheinischen Abbauverfahren wird der Schiefer ohne ausreichende Qualität im Berg belassen und nicht auf Halde gekippt. In meinem Beitrag „Barbaras Treppchen“ beschreibe ich das Rheinische Abbauverfahren detailliert.
Nutzung im Zweiten Weltkrieg
Zwischen November 1944 und Kriegsende wurde die Schiefergrube auf ihre Eignung für sogenannte „Sonderzwecke“ geprüft. Dabei bewerteten Behörden insbesondere die Standfestigkeit des Gebirges, die vorhandenen Betriebsanlagen und die Möglichkeit zur Unterbringung größerer Personenzahlen als geeignet. Die Anlage galt damit grundsätzlich als für eine militärische oder kriegswirtschaftliche Nutzung nutzbar.
Zeitzeugen berichten außerdem, dass während des Krieges Kriegsgefangene unter Tage beschäftigt wurden. In späteren Darstellungen wird vermutet, dass die Grube möglicherweise über den regulären Schieferabbau hinaus genutzt werden sollte. Ein gesicherter Nachweis hierfür liegt jedoch nicht vor.
Bergwerksunglück 1894
Am 1. Oktober 1894 kam es zu einem schweren Verbruch im Bergwerk. Dabei starben vier Bergleute. Der Betrieb wurde daraufhin vorübergehend unterbrochen.
Fund einer weiblichen Leiche 1946
Am 22. Juli 1946 wurde in einem alten Bruchtrichter der oberen Grubenbereiche eine entkleidete weibliche Leiche entdeckt. Die Kleidung lag zusammengerollt am Rand des Kraters. Nach den damaligen Ermittlungen handelte es sich um eine evakuierte Frau aus der Umgebung. Als Todesursache wurde ein Genickbruch festgestellt. Offiziell wurde von Selbstmord ausgegangen. Spätere Darstellungen vermerken jedoch, dass Zweifel an der vollständigen Klärung des Falls bestehen blieben.
Nachkriegszeit und Stilllegung
Nach dem Krieg wurde die Schiefergewinnung zunächst fortgeführt. Bereits um 1950 bestanden jedoch Zweifel an der weiteren Wirtschaftlichkeit des Abbaus. In den 1960er Jahren wurde die Schiefergrube endgültig stillgelegt.
Heutiger Zustand
Wie zuvor erwähnt dienen Teile der unteren Sohle der Wasserversorgung für die angrenzende Gemeinde. Alle weiteren Mundlöcher wurden bereits zu DDR‑Zeiten versprengt. Die DDR‑Führung hatte Bedenken, dass über die Stollen eine Flucht zum Klassenfeind möglich gewesen wäre.
- Veröffentlicht am 16. Juni 2026
- Erstellt von Trümmer Lümmler
- Zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2026
- Keine Kommentare





